Die Diagnose einer Sehnenverletzung – ob Sehnenruptur, Teilanriss oder ein struktureller Defekt – stellt Pferdebesitzer vor große Herausforderungen. Warum?
Insofern ist der unbequeme Satz „der Reiter formt das Pferd“ hier als Chance zu begreifen, um in der Pause etwas zu verändern.
Warum entstehen Sehnenverletzungen?
Sehnen verbinden Muskeln mit den Knochen und sind essenziell für die Kraftübertragung im Bewegungsapparat. Gleichzeitig spielen sie als wichtiger Teil des elastischen Federungsmechanismus bei der Kraftentwicklung des Pferdes ebenfalls eine bedeutende Rolle. Muskeln und Sehnen funktionieren immer als Einheit. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied sowohl in der Verarbeitung von Trainingsreizen als auch bei der Heilung. Während sich die Veränderungen innerhalb der Muskulatur durch Be- oder Entlastung innerhalb weniger Wochen vollziehen, dauern die Anpassungsprozesse bei Sehnen mehrere Monate.
Die Muskel-Sehnen Funktionseinheit
Wenn wir uns die Anatomie des Pferdebeins näher anschauen, sehen wir, dass das Pferd die letzten, größeren Muskelpakete im Bereich des Ellenbogengelenks – bzw. Kniegelenks hat und ab dann, hufwärts, vor allem sehnige Ausläufer. Perfekt, um Gewichts zu sparen und eine schnelle Beschleunigung vor dem Säbelzahntiger zu gewährleisten. Ein von der Natur perfekt organisiertes System, das, wie bei nahezu allen flüchtenden vierbeinigen Steppentieren, ohne spezifische Trainingsreize maximale Leistungsfähigkeit garantiert.
Häufige Ursachen für Sehnenschäden:
„Sehne ist nicht gleich Sehne“ – der eine geht 3-beinig aus dem Parcours, der andere lahmt nicht, sondern bereitet seinem Reiter nur ein ungutes Gefühl mit Rausheben auf der engen Volte und einer kleinen Galle.
1. Erste Maßnahmen – Akutbehandlung nach der PECH-Regel
Wenn eine Sehnenverletzung auftritt, sollte schnell gehandelt werden:
1.1. Die PECH-Regel aus der Humanmedizin (bei akuten Traumata)
Achtung: Diese Regel gilt nur nach plötzlichen Verletzungen und ist nicht als Routine-Maßnahme nach jedem Training sinnvoll.
Nach der Erstversorgung ist eine gründliche Diagnostik erforderlich, um die Schwere der Verletzung festzustellen.
2.1. Diagnostik
Anmerkung: Eine aktuelle Studie aus der Humanmedizin, in der mithilfe bildgebender Verfahren die Bizepssehnen beidseits von menschlichen Probanden untersucht wurden, zeigt, dass die Anzahl asymptomatischer – also schmerzfreier – Sehnenrupturen doppelt so hoch ist wie die der Rupturen, die gleichzeitig mit Schulterschmerzen auftreten. Insofern stellt die Redakteurin die Beurteilung der bildgebenden Verfahren in Relation zu weiteren möglichen Optimierungen des Managements. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24403741/)
2.2. Konservative Behandlungsmöglichkeiten
Der Blutegel gibt bei der Behandlung die Inhaltsstoffe seiner Speicheldrüse in die Wunde ab, die entzündungshemmend, schmerzstillend, gerinnungshemmend und durchblutungsfördernd wirken. Dabei enthält der Speichel eines Blutegels entzündungshemmende Stoffe, wie Hirudin, die schmerzlindernd wirken.
In der Regel tritt bereits nach der ersten Behandlung eine Verbesserung ein.
Schritt auf festem Boden in Kombination mit physiologischer Kompression (wie z.B. der EQUI compress® von Stübben) und Kühlung. Neu entwickelte Aquatrainer mit sehr guter Wasserqualität, Kühlung und Gegenstromanlage können hier gute Dienste leisten (www.plyokinetics.de)
Empfehlung: Eine Kombination aus mehreren Therapien zeigt meist die besten Ergebnisse. Ein individuell angepasstes Konzept mit dem Tierarzt und Therapeuten abstimmen.
3. Trainingsanpassung und Rehabilitation
Die richtige Reha ist entscheidend für eine vollständige Heilung und die Vermeidung erneuter Verletzungen.
3.1. Wichtige Prinzipien der Rehabilitation
3.2. Individuelles Aufbautraining (Beispiel)
Nach der Pause sollte das Training schrittweise gesteigert werden:
Empfehlung: Integriere regelmäßig Übungen zur Mobilisation des Fells und zur Lösung muskulärer Blockaden.
3.3. Funktionaler Belastungsaufbau – Bewegungsqualität vor Quantität
4.Fazit & Handlungsempfehlung
Sehnenverletzungen sind langwierig, aber durch ein strukturiertes Management lassen sich Heilungszeit und Rückfallrisiko deutlich reduzieren.
✔ Prävention: Regelmäßige Ganganalyse, gut durchdachtes und abwechslungsreiches Training, unterschiedliche Böden.
✔ Erstversorgung: PECH-Regel beachten, sofort tierärztliche Untersuchung einleiten.
✔ Therapie: Kombination aus manuellem Therapieansatz, physikalischer Unterstützung und gezieltem Training.
✔ Rehabilitation: Geduldiger Muskelaufbau und schrittweise Belastungssteigerung.
Durch eine enge Zusammenarbeit mit Tierarzt, Therapeut, Hufschmied und Sattler kann das individuelle Management optimal abgestimmt werden – für ein langfristig gesundes und leistungsfähiges Pferd.
Verfasser/ Quelle Grafik Pferdebeine Franziska Bechberger-Gaber (Humanphysiotherapeutin & FN zert. Pferdephysiotherapeutin), Stefan Stammer (Physiotherapeut, stattlich gepr. Sport-und Gymnastiklehrer), Jeanne Kloepfer als Quelle Grafikerin und Buchtitel „das Pferd in positiver Spannung“
Stefan Stammer (Physiotherapeut, stattlich gepr. Sport-und Gymnastiklehrer)